Eine der wichtigsten Entwicklungen der letzten Jahre in der Frauengesundheit ist die Umbenennung der Erkrankung, die lange als Polyzystisches Ovarialsyndrom (PCOS) bekannt war. Nach einem umfassenden Bewertungsprozess internationaler Fachleute wurde als neuer Name der Erkrankung Polyendocrine Metabolic Ovarian Syndrome (PMOS) angenommen.
Diese Änderung ist keine bloße Umbenennung. Vielmehr ist sie ein wissenschaftlicher Schritt, der das wahre Wesen der Erkrankung genauer beschreiben und Missverständnisse im Diagnoseprozess verringern soll.
Warum wurde der Name PCOS geändert?
Der Begriff „Polyzystisches Ovarialsyndrom“ erweckte den Eindruck, die Erkrankung hänge ausschließlich mit Zysten an den Eierstöcken zusammen. Heute wissen wir jedoch, dass dieses Syndrom weitaus komplexer ist.
Studien zeigen, dass PMOS
- das hormonelle Gleichgewicht,
- den Stoffwechsel,
- die Insulinresistenz,
- die Herz-Kreislauf-Gesundheit,
- das Hautbild,
- die Fortpflanzungsfunktionen,
- das psychische Wohlbefinden
gleichzeitig beeinflussen kann – es handelt sich also um eine Erkrankung, die viele Systeme des Körpers betrifft.
Zudem finden sich bei einem erheblichen Teil der Patientinnen gar keine echten Eierstockzysten. Die im Ultraschall sichtbaren Strukturen sind meist Follikel, die ihre Entwicklung nicht abschließen konnten. Der alte Name konnte daher sowohl für Patientinnen als auch für Fachpersonal mitunter irreführend sein.
Was bedeutet PMOS?
Der neue Name betont drei wesentliche Merkmale.
„Polyendocrine“ verdeutlicht, dass die Erkrankung nicht nur die Eierstöcke, sondern zahlreiche hormonelle Systeme betrifft.
„Metabolic“ steht für den engen Zusammenhang mit Insulinresistenz, Gewichtsmanagement und Stoffwechselerkrankungen.
„Ovarian Syndrome“ zeigt, dass die Eierstockfunktion weiterhin ein wichtiger Teil der Erkrankung ist.
So beschreibt der neue Name die tatsächliche biologische Struktur der Erkrankung deutlich präziser.
Wie kam diese Entscheidung zustande?
Die Umbenennung ist nicht die Entscheidung einer einzelnen Institution.
Im Rahmen einer rund 14 Jahre dauernden internationalen Arbeit kamen 56 akademische Einrichtungen, Fachgesellschaften und Patientenorganisationen zusammen. Im Verlauf des Prozesses wurden die Rückmeldungen von mehr als 14.000 Patientinnen und Gesundheitsfachkräften ausgewertet. Auf Grundlage von Umfragen, Delphi-Konsensrunden und wissenschaftlichen Bewertungen einigte man sich gemeinsam auf den Namen „PMOS“.
Fachleute betonen, dass der neue Name die wissenschaftliche Genauigkeit erhöht, zugleich Stigmatisierung verringert und die Früherkennung erleichtern wird.
Was ändert sich für Patientinnen?
Für bereits diagnostizierte Patientinnen ist der wichtigste Punkt:
Ihre Diagnose ändert sich nicht. Ihre Behandlung ändert sich nicht. Die Rotterdam-Diagnosekriterien behalten ihre Gültigkeit.
Das Einzige, was sich ändert, ist der Name der Erkrankung.
Langfristig erwarten Fachleute jedoch, dass die Umbenennung zu genaueren Diagnosen beiträgt, metabolische Risiken früher erkannt werden und Patientinnen nicht nur mit Blick auf die reproduktive Gesundheit, sondern ganzheitlich betreut werden.
Fazit
Der Übergang zum Namen PMOS steht für einen bedeutenden Paradigmenwechsel in der Frauengesundheit. Die Änderung unterstreicht, dass die Erkrankung nicht auf die Eierstöcke beschränkt ist, sondern ein komplexes Syndrom mit hormonellen, metabolischen und systemischen Auswirkungen darstellt.
In den kommenden Jahren dürften sich auch internationale Leitlinien und die klinische Praxis an die neue Terminologie anpassen. Die wichtigste Botschaft für Patientinnen ist klar: Der Name ändert sich, das Ziel bleibt dasselbe – genauere Diagnosen, wirksamere Behandlungen und ein ganzheitlicher Blick auf die Frauengesundheit.
Quelle
Teede HJ et al. The Lancet. 2026.
Ebrar Merve Gündüz
Ernährungsberaterin